Kompost, Mulch & Gründüngung
Die drei Wege, aus 'Abfall' Fruchtbarkeit zu machen: Kompostieren, Mulchen und Gründüngung – jeder schließt Kreisläufe und füttert das Bodenleben.
Das Permakultur-Prinzip „Produziere keinen Abfall” wird im Boden am direktesten umgesetzt. Was anderswo Müll ist – Küchenreste, Laub, Schnittgut – wird hier zu Nahrung für das Edaphon. Drei Techniken greifen ineinander.
1. Kompostierung – kontrollierte Verrottung
Kompost ist gesammelte, gesteuerte Verrottung. Das Geheimnis liegt im C/N-Verhältnis (Kohlenstoff zu Stickstoff) – also im Wechsel von „Braunem” und „Grünem”.
- Grünes (stickstoffreich): Rasenschnitt, Küchenreste, Kaffeesatz, frisches Grün. Liefert Nahrung und Feuchtigkeit.
- Braunes (kohlenstoffreich): Laub, Stroh, Häckselgut, Pappe. Liefert Struktur und Luft.
Faustregel: Schichte etwa gleiche Volumenteile, halte den Haufen feucht wie ein ausgewrungener Schwamm und sorge für Luft. Ein gut gesetzter Haufen erhitzt sich auf 50–65 °C (Heißrotte), tötet Unkrautsamen und ist nach wenigen Monaten reif. Reifer Kompost riecht nach Waldboden und ist krümelig-dunkel.
Wurmkompost (Vermikompostierung)
Für Balkon und Küche ideal: Kompostwürmer (Eisenia fetida) verwandeln Küchenreste in hochwertigen Wurmhumus und flüssigen „Wurmtee”. Geruchsneutral, platzsparend, ganzjährig drinnen möglich.
Bokashi – Fermentation statt Rotte
Beim Bokashi werden Küchenreste mit effektiven Mikroorganismen luftdicht fermentiert (eingelegt), nicht verrottet. Das Ergebnis wird nach 2–3 Wochen in den Boden eingegraben, wo es schnell zu Humus wird. Vorteil: auch gekochte Reste und kleine Mengen Fleisch sind möglich.
2. Mulchen – die Decke für den Boden
Mulch ist eine Schicht organischen Materials auf dem nackten Boden. Sie ahmt die Streuschicht des Waldes nach und erfüllt gleich mehrere Funktionen:
- hält Feuchtigkeit im Boden (weniger gießen),
- unterdrückt Beikraut,
- schützt vor Erosion und Verschlämmung,
- füttert kontinuierlich das Bodenleben,
- puffert Temperaturschwankungen.
Geeignete Materialien: Rasenschnitt (angetrocknet), Stroh, Laub, Häckselgut, Pflanzenreste. Wichtig: dünn bei frischem Rasenschnitt (sonst Fäulnis), und bei kohlenstoffreichem Mulch (Häcksel) etwas Stickstoff ausgleichen, damit dem Boden kurzfristig kein Stickstoff entzogen wird.
3. Gründüngung – Boden mit Pflanzen aufbauen
Statt eine Fläche brach liegen zu lassen, sät man schnell wachsende Pflanzen, die später als Mulch oder Bodenverbesserer dienen. Sie halten den Boden bedeckt und durchwurzelt – beides Grundregeln des Bodenaufbaus.
| Gründüngung | Funktion |
|---|---|
| Phacelia (Bienenfreund) | Schnelle Bodendeckung, Bienenweide, nicht mit Gemüse verwandt |
| Klee & Luzerne | Sammeln Luftstickstoff (Leguminosen), Tiefwurzler |
| Lupine | Stickstoff, sprengt verdichtete Böden |
| Ölrettich/Senf | Lockern tief, unterdrücken Nematoden (nicht vor Kohl!) |
| Winterroggen | Wintergründüngung, durchwurzelt intensiv |
Nach der Blüte (oder vor dem Aussamen) wird die Gründüngung abgeschnitten und als Mulch liegengelassen oder flach eingearbeitet – „chop & drop”. So bleibt der Nährstoff im Kreislauf.
Diese drei Techniken zusammen machen den Garten weitgehend unabhängig von zugekauftem Dünger – der Boden ernährt sich selbst. Das ist der praktische Kern von Erdfürsorge und geschlossenen Kreisläufen.
Quellen und Hinweise
- Witzenhausen-Institut – Kompostierung